Am 19. Dezember gastierte die Kompagnie des „Forum Theater“ aus Wien am RMBK, um Dürrenmatts „Physiker“ auf die Bühne zu bringen. Wir besuchen eine schwungvolle und moderne Inszenierung, die gleichwohl nichts vom Sprachwitz und vom Tempo Dürrenmatts einbüßt.
„Welche Verantwortung trägt ein Forscher für die Ergebnisse seiner Forschung?“ fragt Dürrenmatt. Kann er sich, wie es Oppenheimer, der Erfinder der Atombombe tat, darauf zurückziehen, dass seine Forschung eben nur Forschung sei und er nicht verantwortlich für das, was die Militärs daraus machen? Wenn ich heute als junger Mensch vor dem Karriere-Durchbruch in einem ethisch komplexen Handlungsfeld stehe – darf ich dann ignorieren, dass meine Forschungsergebnisse eben auch Zerstörung und Unterdrückung und Unmenschlichkeit zulassen? Die Antwort der Physiker ist damals wie heute falsch: Der Rückzug ins freiwillige Exil des Irrenhauses führt zum Untergang und die gewünschte Übernahme von Verantwortung endet in ungewollter Verantwortungslosigkeit.
Dürrenmatts Vorschläge der „21 Punkte“ weisen Jahre später dann den Weg: „Was alle betrifft, kann nur von allen gelöst werden.“ Neues Denken brauchen die Probleme der Welt und die Involvierung aller Beteiligten, und eben nicht den Einzelnen, den starken Mann oder Staat, der das schon machen wird. Welche Parallele in die Jetztzeit – wer fühlt sich nicht gerade an die bisherigen Schlagwörter und Bilder des 21. Jahrhunderts erinnert.
Ein Zeichen großer Literatur, dass sie in ihrer Zeit aktuell ist und stets bleibt. Dürrenmatt: Du bist ein Großer.
Im Bild links die „grande dame“ der Kompagnie in einer brillianten Darbietung der Mathilde von Zahnd – der verwaschene Pelz in der Bildmitte links ist „Paule“, das Maskottchen der Truppe.

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